Bettnässen PDF Drucken E-Mail

Allgemeines
In der Medizin spricht man von Einnässen (Enuresis), wenn ein Kind, das älter ist als fünf Jahre, öfter als zweimal im Monat tagsüber oder nachts unabsichtlich Urin verliert, ohne dass es dafür organische Ursachen gibt. Der Mehrzahl der Kinder passiert dieses Malheur im Schlaf. Daher spricht man von Bettnässen oder medizinisch von Enuresis nocturna.

 



Ein Kind, das unabsichtlich ins Bett macht, ist zweifelsohne eine Belastung für die gesamte Familie: Für die Eltern, die ihr eigentlich schon "großes" Kind in der Nacht umziehen und in ein trockenes Bett schaffen müssen, für die Geschwister, deren Schlaf ebenfalls gestört wird, und natürlich für das betroffene Kind selbst. Viele Familien müssen mit dieser schwierigen Situation fertigwerden, denn jedem fünften Kind im Alter von fünf Jahren passiert gelegentlich ein solches Missgeschick. Doch je älter das Kind wird, desto mehr reifen seine Körperfunktionen heran und desto seltener wird nachts das Bett noch nass. Im Alter von elf Jahren nässen etwa 5 von 100 Kindern zeitweise noch einmal ein.

 

Ursachen
Bei einem größeren Kind, das ungewollt Urin verliert, sind die Nervenfunktionen, die für die Blasenkontrolle notwendig sind, noch nicht ausgereift. Es braucht Zeit, um diese Entwicklung abzuschließen. Auch familiäre Gemeinsamkeiten scheint es beim Bettnässen zu geben: Kinder, deren Eltern oder Großeltern bereits mit Bettnässen zu kämpfen hatten, entwickeln diese Problematik häufiger.

Bei manchen Kindern erklärt sich das Einnässen damit, dass die Blase nur ein geringes Volumen fasst, bei anderen produzieren die Nieren vermehrt Urin. Manchmal ist auch der Tag-Nacht-Rhythmus noch undeutlich ausgeprägt, in dem das Hormon produziert wird, das an der Regulierung der Flüssigkeitsausscheidung beteiligt ist.

 

Kaffee und Tee wirken harntreibend und können zum Bettnässen beitragen. Wie viel das Kind im Verlauf des Tages trinkt oder wie tief es schläft, spielen hingegen keine Rolle.

 

Medizinisch muss abgeklärt werden, ob das einnässende Kind Diabetes hat, Fehlbildungen im Harntrakt oder eine Harnweginfektion. Diese Erkrankungen können Bettnässen begünstigen.

 

Bei 15 von 100 Kinder, die bettnässen, lassen sich Anzeichen für eine psychische Erkrankung feststellen.

 

Anzeichen und Beschwerden
Bis zum Schulalter haben die meisten Kinder gelernt, ihre Blasenfunktion sowohl tagsüber als auch nachts so zu kontrollieren, dass Unterwäsche und Bett trocken bleiben. Bei denjenigen, denen das noch nicht immer gelingt, hapert es vornehmlich nachts mit der Blasenkontrolle.

 

Allgemeine Maßnahmen
Eltern sollten sich bewusst sein, dass ihr Kind sie nicht ärgern will oder ungezogen ist, sondern selbst unter dem Bettnässen leidet. Möglicherweise schämt es sich sogar so, dass es selbst auf Übernachtungen bei Freunden oder Klassenfahrten verzichtet. Verständnis, Motivation und das sichere Vertrauen, dass sich das alles geben wird, helfen dem Kind am ehesten. Es braucht Lob für seine Fortschritte, die es beispielsweise anhand eines Tagebuchs oder Kalenders nachvollziehen kann. Auch sollte ihm beispielsweise das Wechseln der Bettwäsche übertragen werden, sobald es dafür groß genug ist – nicht als Strafe, sondern als Eigenverantwortung für seine Belange.

 

Die tägliche Trinkmenge zu begrenzen und das Kind nachts zu wecken, damit es auf die Toilette geht, ist eher kontraproduktiv als hilfreich.

 

Bei Kindern, die den festen Willen haben, trocken zu werden, und die darin von ihren Eltern unterstützt werden, sind elektronische Alarmsysteme wie Klingelhosen oder -matratzen sehr erfolgreich. Diese Geräte lassen einen Klingelton hören, sobald eindringender Urin einen schwachen Stromkreis schließt. Der Ton weckt das Kind, sodass es zur Toilette gehen kann. Im Laufe der Zeit lernt das Kind aufzuwachen, bevor der erste Tropfen Urin das Gerät erreicht. Wenn das Kind 14 aufeinanderfolgende Nächte im Bett verbracht hat, ohne dass sich das Gerät gemeldet hat, kann das Alarmsystem entfernt werden. Bei manchen Kindern dauert das zwar mehrere Monate, doch die Ausdauer lohnt sich: Etwa die Hälfte der Kinder bleibt dauerhaft trocken. Nach einer Behandlung mit Medikamenten sind es demgegenüber nur etwa ein Fünftel, und selbst bei denen verliert sich der Effekt oft wieder, wenn das Arzneimittel abgesetzt wird.